Geschichte der Woche XVIII: Im Fernsehen ist das immer total langweilig! PDF Drucken E-Mail

Eigentlich treffen Yasin und ich uns für gewöhnlich am Samstag. Es sei denn mir schwirrt ein besonderes Ereignis im Kopf herum an dem ich Yasin gern teil haben lassen möchte. So verabredeten wir uns für einen Sonntagabend. Heute sollte es zu einem Fußballspiel gehen.

Yasin erzählte mir, dass er ab und zu mal mit seinem Vater zusammen im Fernsehen Fußball schaut. Das fände er aber etwas langweilig, weil das Spiel so lang geht und so wenig passiert.

Wegen dieser Information war ich schon etwas geknickt und befürchtete, dass er sich auch bei einem live erlebten Fußballspiel langweilen könnte. Aber auf den Versuch kam es meiner Meinung nach an. Ich selbst war auch immer der Meinung, dass es nicht so viel besser sein kann im Stadion zu stehen, als ein Spiel vor dem Fernseher zu verfolgen. Aber ich hatte mich geirrt und hoffte nun, dass es Yasin genauso viel Spaß machen würde wie mir.

Foto598Ich holte ihn am Nachmittag ab und wir fuhren zusammen zum S-Bahnhof Köpenick. Heute sollte der 1. FC Union Berlin gegen Arminia Bielefeld spielen. Schon auf dem Hinweg wurde die Bahn immer voller je näher wir unserem Ziel kamen: dem Stadion an der alten Försterei in der Wuhlheide. Angekommen am Bahnhof strömten alle Menschen aus der Bahn und liefen wie kleine Ameisen in dieselbe Richtung. Yasin fragte mich in welche Richtung wir jetzt gehen würden und ich beantwortete seine Frage augenzwinkernd mit: „Hm, mal überlegen. Vielleicht gehen wir einfach den Leuten mit den Fußballtrikots und –schals hinterher. Könnte ja sein, dass die auch zum Fußballspiel gehen wollen.“ Yasin rollte mit den Augen.

Nach einem kleinen Fußmarsch kamen wir am Stadion an und kauften unsere Karten. Dann bekam Yasin noch eine kleine Fahne geschenkt und wir übten zusammen das richtige Schwenken. Wenn man das nämlich nicht richtig macht verheddert sich die Fahne, wie wir feststellen mussten. Irgendwann hatte Yasin aber dann den richtigen Dreh raus und so konnte er die Fahne zusammen mit den anderen Fans beim Einlaufen der Mannschaft schwenken. Als die Spieler vorgestellt wurden fiel uns auf, dass einer von ihnen den selben Nachnamen trug wie Yasin. Das überraschte ihn und wir witzelten darüber herum, ob er denn mit ihm verwandt sei.

Natürlich gibt es in so einem Fußballstadion noch mehr zu hören und zu sehen, als das eigentliche Fußballspiel. Zum Beispiel das Maskottchen des Fußballvereins – „Ritter Keule“. Yasin schaffte es sogar von „Ritter Keule“ einen Handschlag zu bekommen.

CIMG3890Wir hatten uns Karten für den Block hinter dem Tor gekauft. Das ist auch der Block in dem die Fans mit den Trommeln stehen, Choreografien machen und vor allem bestimmen was die Fans im Stadion als nächstes singen würden. Ich zeigte Yasin die beiden Männer in der Mitte des Blocks. Einer stand sozusagen auf einem Podest und hatte eine große Trommel vor sich. Ein Anderer stand daneben mit einem Blatt Papier in der Hand und dirigierte die Fangesänge. Während des Spiels standen wir die meiste Zeit am Rand des Blocks und hier war es schon sehr laut. Aber als wir an den beiden Männern in der Mitte vorbei liefen herrschte dort ein so ohrenbetäubender Lärm, dass wir uns sogar die Ohren zuhalten mussten.

Der 1. FC Union gewann mit 3:0. Das freute natürlich nicht nur uns. Vor allem weil der Spieler mit demselben Nachnamen wie Yasin das 3:0 erzielte und das ganze Stadion seinen Namen rief.

Wie ich nach dem Spiel von Yasin erfahren durfte, hat sich meine eingangs erwähnte Hoffnung bestätigt. Es ist eben doch etwas ganz anderes, wenn man dabei ist und alles andere als langweilig!

 

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